Was ist ein Manufacturing Execution System (MES)?

Ein Manufacturing Execution System (MES) ist eine Software, die Fertigungsaufträge auf dem Shopfloor ausführt, überwacht und dokumentiert – in Echtzeit und auf Basis der Daten, die Maschinen, Anlagen und Mitarbeitende während der Produktion erzeugen. Das MES steht damit zwischen der betriebswirtschaftlichen Planung im ERP-System und der Steuerungstechnik an der Anlage: Es übersetzt Planvorgaben in ausführbare Arbeitsschritte und meldet die tatsächlichen Ist-Daten zurück.

Der entscheidende Unterschied zu einer reinen Auswertungslösung liegt im Rückkanal. Ein MES sammelt nicht nur, es greift ein: Es gibt Aufträge an Arbeitsplätze frei, sperrt Maschinen ohne gültige Werkzeugfreigabe, stoppt Prozesse bei Qualitätsabweichungen und plant im Störungsfall neu. Wer nur Daten sammelt und in Dashboards zeigt, betreibt eine Betriebsdatenerfassung – noch kein MES.

Was bedeutet MES – und warum heißt es auf Deutsch Produktionsleitsystem?

Die Abkürzung MES steht für Manufacturing Execution System, wörtlich „Fertigungsausführungssystem“. Im deutschen Sprachgebrauch haben sich zwei Übersetzungen etabliert:

  • Produktionsleitsystem – der geläufigere Begriff, vor allem in der Stückgut- und Serienfertigung.
  • Fertigungsmanagementsystem – der Begriff, den die VDI-Richtlinie 5600 verwendet und der normativ präziser ist, weil ein MES weit mehr als „leiten“ tut.

Eine häufige Verwechslung ist wichtig zu kennen: Produktionsleitsystem und Prozessleitsystem (PLS) klingen ähnlich, meinen aber unterschiedliche Ebenen. Ein Prozessleitsystem regelt kontinuierliche Größen wie Temperatur, Druck und Durchfluss direkt an der Anlage; ein MES verwaltet Aufträge, Ressourcen und Kennzahlen darüber. Was ein Prozessleitsystem im Detail leistet, erklärt unsere Seite zum Prozessleitsystem (PLS).

Wo steht ein MES zwischen ERP und Maschine?

Leistung PPS System

Die Einordnung liefert der internationale Standard ISA-95 (international übernommen als IEC 62264). Er beschreibt die Integration von Unternehmens- und Fertigungssystemen in fünf Ebenen:

EbeneWas dort passiertTypische Systeme
Level 4Betriebswirtschaftliche Planung des UnternehmensERP, S/4HANA
Level 3Steuerung des Fertigungsbetriebs: Aufträge, Qualität, Instandhaltung, BeständeMES / MOM
Level 2Überwachen und Bedienen von AnlagenSCADA, Prozessleitsystem (PLS)
Level 1Messen und StellenSPS, Sensorik, Aktorik
Level 0Der physikalische Prozess selbstMaschine, Anlage, Werkstück

Das MES besetzt Level 3. ISA-95 nennt diese Ebene Manufacturing Operations Management (MOM) und gliedert sie in vier Bereiche: Produktion, Qualität, Instandhaltung und Bestandsführung. MOM ist dabei kein Produkt, sondern ein Architekturmodell – ein MES ist die Softwarekategorie, die einen großen Teil dieses Modells umsetzt, in der Praxis schwerpunktmäßig die Produktion. Wer ein Angebot vergleicht, sollte deshalb prüfen, welche der vier MOM-Bereiche tatsächlich abgedeckt sind.

Nach unten schließt das MES an die Steuerungsebene an. Die Anbindung erfolgt entweder direkt an die Speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) oder über ein vorgelagertes SCADA- beziehungsweise Prozessleitsystem. Nach oben spricht es mit dem ERP.

Welche Aufgaben hat ein MES?

Die VDI-Richtlinie 5600 Blatt 1 (Ausgabe Oktober 2016) beschreibt Fertigungsmanagementsysteme aufgabenorientiert und gliedert sie in zehn Aufgabenbereiche. Sie ist der De-facto-Bezugsrahmen im deutschsprachigen Raum und eignet sich gut als Checkliste bei der Systemauswahl:

  1. Auftragsmanagement – Verwaltung aller Fertigungsaufträge im Produktionsbereich
  2. Feinplanung und Feinsteuerung – Belegung von Maschinen und Arbeitsplätzen, Umplanung bei Störungen
  3. Betriebsmittelmanagement – Verfügbarkeit von Maschinen, Werkzeugen und Vorrichtungen
  4. Materialmanagement – Materialbereitstellung und -verfolgung in der Fertigung
  5. Personalmanagement – Einsatz von Mitarbeitenden mit der passenden Qualifikation
  6. Datenerfassung – ereignisgesteuerte Erfassung aller produktionsrelevanten Daten (hier sitzen BDE und MDE)
  7. Leistungsanalyse – Ermittlung und Auswertung von Kennzahlen
  8. Qualitätsmanagement – Prüfaufträge, Prüfmittel, Fehlererfassung, Rückverfolgbarkeit
  9. Informationsmanagement – Bereitstellung und Verteilung von Informationen an die richtigen Stellen
  10. Energiemanagement – Erfassung und Bewertung von Energieverbräuchen

Kein Betrieb braucht alle zehn Bereiche in voller Tiefe. In der Praxis entscheidet sich am Auftragsmanagement, an der Feinplanung und an der Datenerfassung, ob eine MES-Einführung trägt – die übrigen Bereiche kommen meist in späteren Ausbaustufen dazu. Welche dieser Aufgabenbereiche Artschwager + Kohl in konkreten Projekten umsetzt, zeigt die Übersicht zur MES-Software.

Wie unterscheiden sich MES, ERP und PPS?

Diese drei Begriffe werden regelmäßig vermischt, weil sie sich funktional überschneiden. Der klarste Trennschnitt verläuft über Zeithorizont und Datenbasis:

SystemEbeneZeithorizontKernaufgabeArbeitet mit
ERPUnternehmensebene (ISA-95 Level 4)Wochen bis MonatePlant betriebswirtschaftlich: Aufträge, Material, Personal, Kosten. Gibt die Rahmenvorgaben.Plandaten
PPSPlanungsfunktion, meist im ERPTage bis WochenPlant Mengen, Termine und Kapazitäten und gibt Fertigungsaufträge frei.Plandaten, Rückmeldungen
MESFertigungsleitebene (ISA-95 Level 3)Echtzeit bis SchichtFührt die freigegebenen Aufträge aus, steuert sie im laufenden Betrieb und erfasst die Ist-Daten.Ist-Daten

Das Zusammenspiel läuft in beide Richtungen: Die Planung gibt vor, was bis wann produziert werden soll; das MES entscheidet, wie und womit das in der laufenden Schicht umgesetzt wird, und meldet die tatsächlichen Zeiten, Mengen und Fehler zurück. Erst dieser Rückkanal macht die nächste Planung belastbar – ohne ihn rechnet die PPS mit Vorgabezeiten aus der Arbeitsvorbereitung statt mit der Realität. Wie die Produktionsplanung und -steuerung im Detail funktioniert, erklärt unsere Seite zum PPS-System.

PPS ist dabei keine eigene Ebene, sondern eine Funktion. Sie steckt in den meisten Fällen als Modul im ERP-System; leistungsfähige MES bringen zusätzlich eine eigene Feinplanung mit, die den Tag oder die Schicht auflöst, was ein ERP typischerweise nicht leistet.

Wie grenzt sich ein MES von SCADA und Prozessleitsystem ab?

SCADA-Systeme und Prozessleitsysteme sitzen eine Ebene tiefer als das MES und beantworten eine andere Frage. Sie zeigen den Zustand der Anlage: Läuft der Motor, stimmt der Druck, ist ein Alarm aktiv? Das MES zeigt den Zustand des Auftrags: Wie viele Gutteile sind gefertigt, welche Charge steckt darin, wer hat freigegeben, wie lange dauert es noch?

Praktisch heißt das: Ein SCADA-System kennt die Maschine, aber nicht den Kundenauftrag. Ein MES kennt beides und verknüpft sie. Genau in dieser Verknüpfung entsteht der Nutzen – etwa wenn eine Stillstandsmeldung aus der Steuerung automatisch dem laufenden Auftrag zugeordnet, mit einem Grund versehen und in die Nachkalkulation übernommen wird.

Was ist Betriebsdatenerfassung (BDE)?

Die Betriebsdatenerfassung (BDE) ist die systematische Erfassung aller Ist-Daten, die im laufenden Betrieb entstehen. Dazu zählen Auftragsdaten (Start, Ende, Stückzahlen, Gut- und Ausschussmengen), Prozessdaten, Zustände von Maschinen und Anlagen sowie Personal- und Zeitdaten. Ziel ist, Kosten, Verbräuche und Leistungen verursachungsgerecht zuzuordnen – als belastbare Grundlage für Kalkulation, Lohnabrechnung, Rückverfolgbarkeit und Prozessverbesserung.

Erfasst wird an der Stelle, an der die Daten entstehen: an BDE-Terminals in der Halle, über Handscanner und RFID, an Werkerassistenzsystemen oder automatisch aus der Maschinensteuerung. Der Unterschied zur papiergestützten Aufschreibung ist nicht nur Bequemlichkeit, sondern Datenqualität: Laufzettel werden am Schichtende aus dem Gedächtnis ausgefüllt, ein Terminalbuchungssatz trägt einen echten Zeitstempel.

Personaldaten werden häufig als eigener Bereich Personaldatenerfassung (PDE) geführt – nicht aus fachlichen, sondern aus organisatorischen Gründen, weil hier Betriebsrat und Datenschutz mitreden. Wer eine BDE einführt, sollte die Mitbestimmung nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG von Beginn an einplanen; sie ist erfahrungsgemäß der häufigste Grund für Projektverzögerungen.

Was ist Maschinendatenerfassung (MDE)?

Die Maschinendatenerfassung (MDE) ist der Teilbereich der Betriebsdatenerfassung, der sich auf die Fertigungsressourcen selbst bezieht: Die Maschine meldet automatisch, in welchem Zustand sie sich befindet, welchen Auftrag sie bearbeitet, wie viele Teile sie produziert hat, mit welcher Taktzeit und mit welchen Störungen.

Für die Anbindung hat sich OPC UA als herstellerübergreifender Standard durchgesetzt. Moderne Steuerungen liefern die Daten direkt; ältere Maschinen werden über digitale Ein-/Ausgänge, Zählimpulse oder nachgerüstete Erfassungsboxen angebunden. Dass eine Maschine kein OPC UA spricht, ist deshalb kein Ausschlusskriterium – ein Signal für „Maschine läuft“ und ein Stückzähler reichen für die wichtigsten Auswertungen bereits aus.

Aus den MDE-Daten entstehen Laufzeit-, Stillstands- und Störungsanalysen und damit die Basis für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Die zentrale Kennzahl dabei ist die Gesamtanlageneffektivität (OEE), die Verfügbarkeit, Leistung und Qualität einer Anlage zu einer Zahl verdichtet. Wichtig ist die Reihenfolge: Erst eine saubere, vollständige MDE macht eine OEE aussagekräftig – eine OEE aus lückenhaften Daten führt zu falschen Investitionsentscheidungen.

Was ist der Unterschied zwischen BDE und MDE?

MDE ist eine Teilmenge der BDE, kein Gegenstück. Die Betriebsdatenerfassung ist der Oberbegriff für alle Ist-Daten des Betriebs; die Maschinendatenerfassung ist der Teil davon, der automatisch aus den Maschinen kommt.

 BDE – BetriebsdatenerfassungMDE – Maschinendatenerfassung
UmfangAlle Ist-Daten des Betriebs, inklusive der MaschinendatenNur Daten der Fertigungsressourcen
QuelleTerminal, Scanner, Werkerassistenz, MaschineSteuerung, Sensorik, Erfassungsbox
ErfassungTeils manuell gebucht, teils automatischDurchgehend automatisch
Typische DatenAuftragsfortschritt, Mengen, Zeiten, Material, PersonalMaschinenzustände, Laufzeiten, Stückzähler, Störcodes
StärkeVollständiges betriebswirtschaftliches BildObjektiv, lückenlos, im Sekundentakt
GrenzeManuelle Buchungen sind fehler- und lückenanfälligKennt den Kontext nicht – ein Stillstand ohne Grundangabe bleibt unerklärt

Genau deshalb ergänzen sich beide: Die MDE liefert die harte Zeitachse, die BDE den betrieblichen Kontext dazu. In der Praxis bewährt sich die Kombination – die Maschine meldet den Stillstand automatisch, die Bedienperson wählt am Terminal aus einer kurzen Liste den Grund. Im MES laufen beide Datenströme zusammen und werden zu Kennzahlen, Auftragsstatus und Rückmeldungen an das ERP verarbeitet.

Welche Kennzahlen liefert ein MES?

Kennzahlen sind der eigentliche Zweck der Datenerfassung. Damit sie zwischen Werken, Anlagen und Systemen vergleichbar bleiben, definiert das VDMA-Einheitsblatt 66412 Fertigungskennzahlen einheitlich. Es ist seit 2009 in mehreren Teilen erschienen: Teil 1 definiert die Kennzahlen selbst, Teil 2 beschreibt, wie sie sich gegenseitig beeinflussen, Teil 3 behandelt die Prozesse der Datenerfassung, Teil 4 die Kennzahlen für das Energiemanagement.

Typische Kennzahlen aus dem MES sind unter anderem Gesamtanlageneffektivität (OEE), technische und organisatorische Verfügbarkeit, Ausschuss- und Nacharbeitsquote, Durchlaufzeit, Termintreue sowie der Energieverbrauch je Erzeugnis. Der Nutzen einer normierten Definition zeigt sich spätestens beim Werksvergleich: Ohne gemeinsame Regel berechnet jedes Werk seine OEE anders – und die Zahlen sind wertlos.

Welche Normen und Richtlinien gelten für MES?

Drei Regelwerke prägen das Thema, und sie werden regelmäßig verwechselt. Kurz sortiert:

RegelwerkHerausgeberBeantwortet die Frage
VDI 5600VDIWas muss ein MES können? Blatt 1 (Ausgabe 2016) beschreibt die zehn Aufgabenbereiche; weitere Blätter behandeln unter anderem Energiemanagement, MES und Industrie 4.0 sowie Interoperabilität und Schnittstellen.
VDMA 66412VDMAWie werden die Kennzahlen berechnet? Definition der Fertigungskennzahlen, ihres Wirkzusammenhangs und der Datenerfassung.
ISA-95 / IEC 62264ISA / IECWo sitzt das MES und welche Daten tauscht es mit dem ERP aus? Ebenenmodell Level 0–4 und Datenmodelle für die Integration.

Die Faustregel: VDI 5600 für den Funktionsumfang, VDMA 66412 für die Kennzahlen, ISA-95 für die Architektur und die Schnittstellen. Keines der drei Regelwerke ist ein Zertifizierungsstandard – kein Anbieter kann ein MES „nach VDI 5600 zertifizieren“ lassen. Wer damit wirbt, meint eine Selbstauskunft.

Welchen Nutzen bringt ein MES im Betrieb?

Der Kernnutzen ist Transparenz mit Konsequenz: Abweichungen werden sichtbar, während sie entstehen, und nicht erst in der Nachkalkulation. Daraus folgen die typischen Effekte:

  • Kürzere Reaktionszeiten: Störungen und Qualitätsabweichungen werden gemeldet, statt bemerkt zu werden.
  • Weniger Stillstand: Stillstandsgründe werden systematisch erfasst und damit angreifbar – die Auswertung zeigt, welche fünf Ursachen 80 Prozent der Ausfallzeit erzeugen.
  • Kürzere Rüst- und Durchlaufzeiten: durch Feinplanung mit rüstoptimierter Reihenfolge und vollständige Auftragspapiere am Arbeitsplatz.
  • Papierloser Auftragsdurchlauf: Arbeitsanweisungen, Zeichnungen und Prüfpläne sind am Arbeitsplatz digital und immer in der gültigen Version verfügbar.
  • Rückverfolgbarkeit: lückenlose Zuordnung von Charge, Material, Maschine, Werkzeug und Person – in regulierten Branchen ohnehin Pflicht, im Reklamationsfall überall wertvoll.
  • Belastbare Nachkalkulation: Ist-Zeiten statt Vorgabezeiten als Grundlage für Kalkulation und Angebotspreise.
  • Bessere Auslastung: von Anlagen wie Personal, weil Engpässe vor dem Stillstand sichtbar werden.

Realistisch einordnen sollte man den Aufwand: Diese Effekte entstehen nicht durch die Installation, sondern durch die Auswertung. Ein MES ohne benannte Verantwortliche für die Kennzahlen erzeugt Dashboards, die nach drei Monaten niemand mehr öffnet.

Wie wird ein MES an SAP angebunden?

Läuft im Unternehmen SAP ERP oder S/4HANA, entscheidet die Qualität der Anbindung über den Nutzen des MES. Ohne saubere Integration entstehen zwei Datenwahrheiten, und die Diskussion verlagert sich vom Prozess auf die Frage, welches System recht hat. Für die Anbindung an S/4HANA sind vor allem drei Komponenten relevant:

  • PP-SFC – Production Orders, die Fertigungsaufträge und ihre Rückmeldungen
  • PP-MRP – Material Requirements Planning, die Materialbedarfsplanung und die Planaufträge
  • MM-IM – Inventory Management, die Bestandsführung und die zugehörigen Warenbewegungen

Praktisch heißt das: Der Fertigungsauftrag entsteht in PP-SFC, das MES holt ihn ab, löst ihn in Arbeitsschritte auf und meldet Mengen, Zeiten und Ausschuss zurück; Materialentnahmen und Wareneingänge laufen über MM-IM. Wer das MES zusätzlich mit der Lagerlogistik verzahnt, verbindet die Fertigungsversorgung mit dem Lagerverwaltungssystem – dazu erklärt unsere Seite zu SAP EWM die Zusammenhänge.

Wichtig für die Systemwahl: SAP ME und SAP MII laufen aus

Stand September 2026 hat SAP für seine bisherigen Fertigungsprodukte einen Endpunkt gesetzt. Für SAP Manufacturing Execution (SAP ME) und SAP Manufacturing Integration and Intelligence (SAP MII) endet die Mainstream-Wartung zum Ende des Jahres 2027; eine kostenpflichtige erweiterte Wartung ist danach bis etwa Ende 2030 vorgesehen. Neue Funktionsreleases sind nicht mehr geplant. Strategischer Nachfolger ist SAP Digital Manufacturing auf der SAP Business Technology Platform.

Für Betriebe, die heute auf SAP ME oder MII arbeiten, ist das kein akuter Notfall, aber ein Planungsauftrag: Der Wechsel ist kein Versionsupgrade, sondern eine Neuimplementierung mit Datenübernahme, und die Zeitfenster für Produktionsstillstände sind knapp. Wer 2027 ohne Konzept dasteht, zahlt erweiterte Wartung und migriert trotzdem. Bei Neuprojekten gehört die Frage, ob SAP Digital Manufacturing oder ein integriertes Fremdsystem die bessere Basis ist, an den Anfang der Auswahl – nicht ans Ende. Wie eine MES-Anbindung an eine bestehende SAP-Landschaft in der Praxis aufgesetzt wird, beschreibt die Seite zur MES-Software.

Wo lässt sich ein MES einsetzen – auch in manueller Fertigung?

Ein MES ist keine Frage des Automatisierungsgrads. In der automatisierten Fertigung übernimmt es Daten direkt aus den Steuerungen; in der manuellen Fertigung digitalisiert es die Arbeitsplätze über Werkerassistenz, Terminalbuchungen und papierlose Auftragsführung. Gerade dort ist der Sprung oft am größten, weil vorher gar keine belastbaren Ist-Daten existierten.

Typische Konstellationen reichen von der Stand-alone-Installation in einem einzelnen Werk bis zur vollständig in die SAP-Landschaft integrierten Lösung über mehrere Standorte. Zwischen Fertigung und Lager gehört das MES an das Lagerverwaltungssystem und die Materialflusssteuerung angebunden, damit die Produktionsversorgung nicht an der Hallengrenze endet – die Zusammenhänge im Gesamtbild zeigt unser Überblick zur Intralogistik.

Der Trend geht dabei weg vom geschlossenen Standard-MES. Gefragt sind offene Plattformen, deren Funktionen sich einzeln nutzen und über dokumentierte Schnittstellen mit vorhandenen Systemen kombinieren lassen. Der Grund ist pragmatisch: In gewachsenen Produktionslandschaften löst ein monolithisches System selten alle Anforderungen, ersetzt aber verlässlich funktionierende Speziallösungen.

Woran scheitern MES-Einführungen in der Praxis?

Die technischen Hürden sind selten das Problem. Wiederkehrend sind vier andere:

  • Ungeklärte Stammdaten. Arbeitspläne, Stücklisten und Arbeitsplatzstrukturen im ERP sind oft historisch gewachsen und ungepflegt. Ein MES macht das gnadenlos sichtbar – und ist ohne belastbare Stammdaten nicht sinnvoll zu betreiben.
  • Zu großer erster Schritt. Alle zehn VDI-Aufgabenbereiche gleichzeitig einzuführen, überfordert Organisation und Projektbudget. Bewährt hat sich der Einstieg über Datenerfassung und Auftragsmanagement in einem Pilotbereich.
  • Fehlende Beteiligung der Bedienenden. Wer an der Maschine bucht, entscheidet über die Datenqualität. Wird die Erfassung als Kontrolle wahrgenommen, entstehen Sammelbuchungen am Schichtende – und damit exakt die Datenlage, die man abschaffen wollte.
  • Kennzahlen ohne Adressat. Eine Kennzahl, für die niemand verantwortlich ist, verändert nichts. Vor der Einführung sollte feststehen, wer welche Zahl wann ansieht und was bei Abweichung passiert.

Dass es anders geht, zeigen abgeschlossene Projekte: Beim Rollout von LVS und MES über fünf internationale Produktionsstandorte lag der Schlüssel in einem einheitlichen Stammdaten- und Schnittstellenkonzept vor dem ersten Standort. Dass ein Umstieg auch unter Zeitdruck machbar ist, belegt die Modernisierung von Produktionslogistik, LVS, MFR und MES innerhalb einer Woche.

Welche Vorteile bietet ein MES?

Der Hauptvorteil ist die Möglichkeit, Fertigungsprozesse in Echtzeit zu kontrollieren und zu steuern. Weitere Vorteile:

  • Optimierung von Fertigungsprozessen, papierloser Workflow
  • Weniger Ausfallzeiten, direkte Fehleranzeige, geringere Rüstzeiten
  • Reduktion des Lagerbestandes, Rückverfolgbarkeit von Produktionsvorgängen
  • Bessere Anlagen- und Personalauslastung, detaillierte Kostenerfassung

Kurz gefasst: maximale Transparenz und Kontrolle bei minimalen Durchlaufzeiten, Lagerbeständen, Fehlerquoten und Kosten.

Wie wird ein MES in SAP-Landschaften integriert?

Um in Echtzeit auf Abweichungen reagieren zu können, ist ein mit S/4HANA oder SAP ERP verknüpftes MES eine naheliegende Lösung. Für die Anbindung an S/4HANA sind vor allem drei Komponenten relevant: PP-SFC (Shop Floor Control), PP-MRP (Materialbedarfsplanung) und MM-IM (Bestandsführung).

Für die vertikale Integration von Shopfloor-Daten setzt SAP künftig auf SAP Digital Manufacturing als strategischen Nachfolger von SAP ME und SAP MII: Die Mainstream-Wartung beider Produkte endet Ende 2027, die kostenpflichtige erweiterte Wartung Ende 2030. Bei Neuprojekten sollte die Migrationsstrategie deshalb von Beginn an mitgeplant werden.

Wo lässt sich ein MES einsetzen?

Manufacturing Execution Systeme lassen sich sowohl in der manuellen als auch in der automatisierten Fertigung einsetzen – als Stand-alone-Lösung oder angebunden an SAP ERP, SAP EWM oder ERP-Systeme anderer Hersteller. Zukunftsorientierte Unternehmen setzen dabei immer seltener auf ein geschlossenes Standard-MES; gefragt sind Plattformen mit hochflexiblen, offenen MES-Funktionen.

Wie geht es von hier aus weiter?

Diese Seite erklärt, was ein MES ist und was BDE und MDE dazu beitragen. Wie eine solche Lösung im konkreten Betrieb aussieht – von der Anbindung automatisierter Anlagen bis zur Digitalisierung manueller Arbeitsplätze, als Stand-alone-System oder integriert in eine bestehende SAP-Landschaft –, zeigt unsere Seite zur MES-Software.

Häufige Fragen zu MES, BDE und MDE

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