Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Regalbediengerät (RBG)?
Ein Regalbediengerät (RBG) ist ein schienengeführtes, einspuriges Fahrzeug, das in einer Regalgasse Ladeeinheiten ein- und auslagert. Es bewegt sich horizontal entlang der Gasse, hebt und senkt die Last am Mast und schiebt sie quer in das Regalfach – drei Achsen, die in der Fachsprache als x (Fahren), y (Heben) und z (Lastaufnahme) bezeichnet werden. Das Regalbediengerät ist damit die zentrale Maschine im automatischen Hochregallager und im automatischen Kleinteilelager.
Wichtig für das Verständnis: Ein Regalbediengerät fährt keine Route und trifft keine Entscheidung darüber, was wohin gehört. Es führt Fahraufträge aus, die von der übergeordneten Steuerung kommen. Welcher Lagerplatz belegt wird, in welcher Reihenfolge gearbeitet wird und welche Ladeeinheit als Nächstes gebraucht wird, entscheiden das Lagerverwaltungssystem und der Materialflussrechner. Die mechanische Leistungsfähigkeit des Geräts ist deshalb nur eine von zwei Größen, die den Durchsatz einer Anlage bestimmen – die andere ist die Qualität der Auftragssteuerung.
Wie ist ein Regalbediengerät aufgebaut?
Der Aufbau ist bei allen Bauformen im Kern gleich und besteht aus fünf Baugruppen:
- Fahrwerk (Fahrantrieb). Das einspurige Untergestell läuft auf einer Fahrschiene im Boden der Gasse und verbindet die Laufräder mit dem Mast beziehungsweise dem Rahmen. Hier sitzt der Fahrantrieb für die Bewegung in x-Richtung.
- Mast. Der Mast verbindet Fahrwerk und Kopftraverse und trägt das Hubwerk, den Hauptschaltschrank, die Energiezuführung sowie Aufstiege und Podeste für die Instandhaltung.
- Kopftraverse mit Führung. Am oberen Ende führen Rollen das Gerät in einer Führungsschiene und nehmen die Querkräfte aus Beschleunigung und Bremsung auf.
- Hubwerk mit Hubschlitten. Der am Mast geführte Hubschlitten trägt die Last. Angetrieben wird er über Seil, Zahnriemen oder Kette – die Bewegung in y-Richtung.
- Lastaufnahmemittel (LAM). Auf dem Hubschlitten sitzt die Baugruppe, die die Ladeeinheit tatsächlich aufnimmt und abgibt – die Bewegung in z-Richtung.
Dazu kommt die Energie- und Datenzuführung, üblicherweise über Schleifleitung oder Energiekette, sowie die Positioniertechnik, die dem Gerät sagt, wo es sich in der Gasse befindet. Genau diese beiden Komponenten – Energiezuführung und Positionierung – sind in Bestandsanlagen erfahrungsgemäß die häufigsten Störungsquellen, lange bevor die Stahlkonstruktion an ihre Grenzen kommt.
Was ist der Unterschied zwischen Einmast- und Zweimastgerät?
Regalbediengeräte werden als Einmastgeräte (auch Einträger) oder als Zweimastgeräte (auch Zweiträger oder Rahmengeräte) gebaut. Der Unterschied ist nicht kosmetisch, sondern statisch: Zwei Masten bilden mit Fahrwerk und Kopftraverse einen geschlossenen Rahmen, der Biege- und Torsionsmomente deutlich besser aufnimmt.
| Einmastgerät | Zweimastgerät | |
|---|---|---|
| Konstruktion | Ein Mast, auskragender Hubschlitten | Zwei Masten, geschlossener Rahmen |
| Eigengewicht | geringer | höher |
| Typischer Einsatz | leichtere Lasten, moderate Höhen, Kleinteilelager | schwere Lasten, große Höhen, Doppel- und Mehrfachlast |
| Stärke | weniger Masse zu beschleunigen, geringerer Energiebedarf | höhere Steifigkeit, ruhigerer Lauf bei großer Höhe |
| Grenze | Schwingungsneigung steigt mit Höhe und Last | mehr bewegte Masse, aufwendigere Konstruktion |
Die Auswahl ist keine Geschmacksfrage, sondern das Ergebnis der Auslegung aus Regalhöhe, Nutzlast, geforderter Beschleunigung und zulässiger Positioniergenauigkeit. Schwingt der Mast zu stark, muss das Gerät vor dem Einlagern warten, bis es zur Ruhe kommt – die gewonnene Fahrzeit ist dann in der Beruhigungszeit wieder verloren.
Welche Bauarten von Regalbediengeräten gibt es?
Unterschieden wird üblicherweise nach der Ladeeinheit, die das Gerät handhabt:
- Palettengeräte. Für Paletten, Gitterboxen und ähnliche Großladungsträger im Hochregallager. In der Fachpresse werden für diese Klasse Bauhöhen bis etwa 45 Meter und Nutzlasten bis rund 3.000 Kilogramm genannt.
- Behälter- oder Miniload-Geräte. Für Behälter, Kartons und Tablare im automatischen Kleinteilelager (AKL). Sie arbeiten mit kleineren Massen und deutlich höheren Geschwindigkeiten; genannt werden Bauhöhen bis etwa 24 Meter und Fahrgeschwindigkeiten bis in den Bereich von 6 Metern je Sekunde.
- Langgutgeräte. Für Stangen, Profile, Bleche und Kassetten in Langgut- und Kassettenlagern, mit entsprechend angepasstem Lastaufnahmemittel.
- Kranbauweise und Sonderbauformen. Für Anwendungen, die sich mit dem klassischen gassengebundenen Gerät nicht lösen lassen – etwa Kühl- und Tiefkühllager, Reinraumumgebungen oder Anlagen mit sehr großen Einzellasten.
Eine zweite Unterscheidung betrifft die Bindung an die Gasse. Das gassengebundene Regalbediengerät bleibt dauerhaft in einer Gasse und erreicht dort die höchste Leistung. Kurvengängige oder über eine Umsetzanlage verfahrbare Geräte können mehrere Gassen bedienen; das senkt die Investition bei geringerem Durchsatzbedarf, erkauft sich aber jeden Gassenwechsel mit Zeit. Wo ein Regalbediengerät gegenüber Shuttle-, Durchlauf- oder Verschieberegalsystemen die richtige Wahl ist, ordnet die Seite Automatische Lagersysteme im Vergleich ein.
Das Lastaufnahmemittel entscheidet darüber, welche Ladeeinheiten eine Anlage überhaupt handhaben kann – und ist damit der Punkt, an dem Anlagen am häufigsten an neue Anforderungen stoßen. Verbreitet sind:
- Teleskopgabel. Der Standard für Paletten. Zwei- oder dreifach ausfahrbar, für einfach- und doppeltiefe Lagerung, häufig auch beidseitig.
- Teleskoparme mit Mitnehmern. Im Kleinteilelager verbreitet: Die Arme fahren neben den Behälter, klappbare Finger ziehen ihn auf den Schlitten oder schieben ihn hinaus.
- Riemen- oder Gurtzugsysteme. Für Kartons und Behälter ohne feste Kontur.
- Kassetten- und Gabelsysteme für Langgut. Für Profile, Stangen und Bleche.
- Kanalfahrzeuge (Satellitenfahrzeuge). Das Regalbediengerät trägt ein kleines Fahrzeug, das in einen Lagerkanal einfährt und dort mehrere Ladeeinheiten hintereinander bedient – die Grundlage kompakter Kanallager.
Praktisch relevant ist die Doppel- oder Mehrfachlastaufnahme: Ein Gerät, das zwei Paletten gleichzeitig transportiert, erhöht den Durchsatz spürbar, verlangt aber eine Steuerung, die passende Auftragspaare überhaupt bildet. Ohne diese Logik im übergeordneten System bleibt die zweite Lastaufnahme in der Praxis oft leer.
Was sind Einzelspiel und Doppelspiel?
Die Leistung eines Regalbediengeräts wird in Spielen gerechnet. Ein Spiel ist der vollständige Bewegungsablauf von der Übernahme einer Ladeeinheit bis zur Rückkehr des Geräts in die Ausgangslage.
- Einzelspiel. Das Gerät führt entweder eine Einlagerung oder eine Auslagerung aus. Bei der Einlagerung nimmt es die Ladeeinheit am Übergabepunkt auf, fährt zum Fach, gibt sie ab – und fährt leer zurück. Diese Leerfahrt ist der teure Teil.
- Doppelspiel (kombiniertes Spiel). Ein- und Auslagerung werden zu einem Ablauf verbunden: einlagern, direkt weiter zum Auslagerfach, dort aufnehmen und mit voller Last zum Übergabepunkt zurück. Die beiden Leerfahrten des Einzelspiels schrumpfen auf eine kurze Zwischenfahrt im Regal.
Deshalb ist der Doppelspielanteil eine der wichtigsten Stellgrößen für den Durchsatz einer bestehenden Anlage – und er hängt nicht am Gerät, sondern an der Software. Ob das Lagerverwaltungssystem zu einem Einlagerauftrag rechtzeitig einen passenden Auslagerauftrag in derselben Gasse findet, entscheidet darüber, wie viele Doppelspiele tatsächlich zustande kommen. In Bestandsanlagen ist das häufig der Punkt mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung: Es wird kein Blech angefasst, sondern eine Auftragsstrategie geändert.
Für den Leistungsnachweis hat sich die Richtlinie FEM 9.851 „Leistungsnachweis für Regalbediengeräte – Spielzeiten“ der Fédération Européenne de la Manutention durchgesetzt (Ausgabe 2003, vertrieben über den VDMA-Verlag). Sie definiert, wie Spielzeiten zu ermitteln sind, damit Angebote verschiedener Anbieter überhaupt vergleichbar werden.
Das Prinzip: Statt jeden denkbaren Lagerplatz zu rechnen, legt die Richtlinie Testfälle mit definierten Ein- und Auslagerpunkten fest, deren Koordinaten sich auf ein Regal der Höhe H und der Länge L beziehen. Unterschieden werden sechs Fälle, je nachdem, wo Ein- und Auslagerpunkt an der Regalwand liegen. Aus den Fahr-, Hub- und Lastaufnahmezeiten für diese Punkte ergeben sich die mittlere Einzelspielzeit und die mittlere Doppelspielzeit; die Umschlagleistung in Spielen je Stunde folgt daraus unmittelbar.
Drei Punkte, die über die Aussagekraft entscheiden
- Es sind statistische Mittelwerte. Die Rechnung setzt voraus, dass alle Fächer eines Regals über den Betrachtungszeitraum gleichmäßig angefahren werden. Eine reale Anlage mit ausgeprägten Schnelldrehern und einer Zonierung verhält sich anders – meist besser, gelegentlich schlechter.
- Die Auftragsstruktur bleibt außen vor. FEM 9.851 und VDI 3561 liefern die mittlere Einzel- und Doppelspielzeit, nicht die Frage, wie viele Doppelspiele im Tagesgeschäft überhaupt gebildet werden können. Diese Größe lässt sich seriös nur über eine ereignisdiskrete Simulation bestimmen.
- Totzeiten werden gern unterschätzt. Positionieren, Beruhigen des Mastes, Ein- und Ausfahren des Lastaufnahmemittels und die Übergabe an die Fördertechnik summieren sich. Bei kurzen Fahrwegen dominieren sie die Spielzeit deutlich vor der Fahrgeschwindigkeit.
Wer die Leistung einer Anlage bewertet, sollte deshalb immer beides ansehen: den rechnerischen Nachweis nach FEM 9.851 und die tatsächlich gefahrenen Spiele aus den Protokolldaten des Lagerverwaltungssystems. Weichen beide stark voneinander ab, liegt die Ursache fast nie in der Mechanik.
Welche Normen und Richtlinien gelten für Regalbediengeräte?
Drei Regelwerksfamilien sind relevant, und sie beantworten unterschiedliche Fragen:
| Regelwerk | Ausgabestand | Beantwortet die Frage |
|---|---|---|
| DIN EN 528 – Regalbediengeräte, Sicherheitsanforderungen | Fassung 2023-02 (Deutsche Fassung EN 528:2021+A1:2022), ersetzt die Ausgabe 2021-06 | Wie muss ein Regalbediengerät sicherheitstechnisch beschaffen sein? Harmonisierte Norm zur EU-Maschinenrichtlinie. |
| FEM 9.851 – Leistungsnachweis für Regalbediengeräte, Spielzeiten | Ausgabe 2003 | Wie wird die Leistung nachgewiesen und vergleichbar gemacht? |
| VDI 3561 – Testspiele zum Leistungsvergleich und zur Abnahme von Regalförderzeugen; VDI 4480 – Durchsatz automatischer Lager | VDI 3561 ursprünglich 1973, mit Ergänzungsblättern (u. a. Blatt 2 zu regalgangunabhängigen Geräten, Blatt 4 zu Kanallagersystemen); VDI 4480 Blatt 1 Ausgabe 1998-02 | Wie wird bei der Abnahme gemessen und welchen Durchsatz leistet das Gesamtlager? |
Daneben regelt eine Reihe weiterer FEM-Blätter Konstruktion und Toleranzen, unter anderem FEM 9.311 zu Tragwerken, FEM 9.512 zu Triebwerken sowie FEM 9.831 und 9.832 zu Toleranzen, Verformungen und Freimaßen. Für den Betreiber sind sie vor allem dann relevant, wenn Regal und Gerät nicht vom selben Lieferanten stammen: Passen die Toleranzannahmen nicht zusammen, entstehen genau die Positionierprobleme, die später als „Steuerungsfehler“ gemeldet werden.
Ein Regalbediengerät ist ohne übergeordnete Software funktionslos. Die Arbeitsteilung verläuft über drei Ebenen:
| Ebene | Entscheidet über | Zeithorizont |
|---|---|---|
| Lagerverwaltungssystem (LVS/WMS) | Bestände, Lagerplatzvergabe, Auftragsreihenfolge, Kommissionierstrategie | Auftrag bis Schicht |
| Materialflussrechner (MFR/MFS) | Zerlegung in Transportaufträge, Wegewahl über die Fördertechnik, Gassenzuordnung, Bildung von Doppelspielen | Sekunden bis Minuten |
| SPS-Steuerung am Gerät | Fahren, Heben, Lastaufnahme, Positionierung, Sicherheitsfunktionen | Millisekunden |
Der Materialflussrechner ist dabei die Instanz, die aus einem Lagerauftrag eine konkrete Gerätebewegung macht. Er kennt den Zustand jedes Geräts und jeder Fördertechnikstrecke und entscheidet, welcher Auftrag als Nächstes an welche Gasse geht. Wie diese Steuerungsebene arbeitet, beschreiben die Seiten Materialfluss und Fördertechnik; wie die Ebenen sauber voneinander getrennt werden, zeigt die Seite Systemarchitektur im Materialfluss. Die Bestands- und Auftragsführung darüber erklärt die Seite Warehouse Management System (WMS).
Wie stark diese Ebenen voneinander abhängen, zeigt sich immer dann, wenn eine davon ausgetauscht wird. In einem Produktionslager mit Regalbediengeräten, Palettenfördertechnik und Querverfahrwagen hat Artschwager + Kohl die beiden oberen Ebenen ersetzt: An die Stelle eines Lagerverwaltungssystems auf einer IBM RS/6000 und der zugehörigen Materialflusssteuerung trat SAP EWM mit dem Materialflusssystem (MFS), das seither Lager-, Transport- und Materialflussprozesse durchgängig steuert – nach Projektangaben die weltweit erste Modernisierung eines bestehenden Produktionslagers auf SAP EWM MFS. Die Umstellung lief in drei Schritten: An zwei Wochenenden wurde produktionsnah getestet und anschließend jeweils auf das Altsystem zurückgeschaltet, am dritten Wochenende erfolgte die vollständige Umstellung; am Montagmorgen arbeitete das Produktionspersonal im Regelbetrieb weiter (Praxisbeispiel: Produktionslager auf SAP EWM MFS modernisiert). Die Regalbediengeräte selbst blieben dabei unverändert – ein Beleg dafür, dass über die Leistungsfähigkeit einer Anlage weitgehend auf den Ebenen oberhalb des Geräts entschieden wird.
Wann lohnt sich die Modernisierung eines Regalbediengeräts?
Die tragende Stahlkonstruktion eines Regalbediengeräts ist auf Jahrzehnte ausgelegt und in aller Regel nicht der Grund für eine Modernisierung. Ausschlaggebend sind fast immer die Komponenten mit kürzerem Lebenszyklus:
- Steuerung. Steuerungsgenerationen, für die es keine Ersatzteile und kein Fachpersonal mehr gibt, sind der häufigste Anlass. Ein Ausfall wird dann nicht in Stunden, sondern in Wochen gemessen.
- Antriebe und Umrichter. Ältere Antriebstechnik ist wartungsintensiver, ungenauer im Positionieren und energetisch schlechter; moderne Umrichter können Bremsenergie zurückspeisen.
- Positioniersystem. Verschleißbehaftete oder überalterte Positioniertechnik erzeugt Fehlpositionierungen, die als sporadische Störungen auftreten und schwer zu fassen sind.
- Sicherheitstechnik. Schutzeinrichtungen, Not-Halt-Kreise und Zugangssicherungen entsprechen häufig nicht mehr dem heutigen Stand der Technik.
- Lastaufnahmemittel. Neue Ladungsträger oder geänderte Lagerstrategien überfordern das vorhandene Lastaufnahmemittel.
- Fehlende Transparenz. Die Anlage läuft, aber niemand kann belegen, woran die Leistung hängt – weil keine auswertbaren Daten anfallen.
Wichtig ist die Reihenfolge der Prüfung. Bevor Antriebe oder Geräte getauscht werden, sollte belegt sein, wo die Leistung tatsächlich verloren geht. Häufig liegt der Engpass nicht im Regalbediengerät, sondern in der Vorzone, in der Auftragsbildung oder in einer Lagerplatzstrategie, die Doppelspiele verhindert. Ein Beispiel dafür ist die Modernisierung eines automatischen Kühllagers im laufenden Betrieb: Dort blieben die vorhandenen Regalbediengeräte, die Palettenfördertechnik sowie die Siemens-S5- und -S7-Steuerungen bestehen; erneuert wurden Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung durch LOMAS®, die Inbetriebnahme erfolgte innerhalb einer Woche (Praxisbeispiel: Brownfield-Kühllager im laufenden Betrieb modernisiert). Was ein Retrofit grundsätzlich umfasst und wie er abgegrenzt wird, erklärt die Seite Retrofit; wie ein solches Projekt an Regalbediengeräten konkret abläuft, beschreibt die Leistungsseite Regalbediengeräte-Retrofit.
Wer an einem Regalbediengerät Steuerung, Antriebe oder Sicherheitstechnik erneuert, bewegt sich in einem regulatorischen Rahmen, der sich derzeit ändert. Zwei Punkte gehören in jedes Projekt.
Wesentliche Veränderung
Führt ein Umbau zu einer neuen Gefährdung oder erhöht er ein bestehendes Risiko so, dass zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig werden, gilt die Maschine als wesentlich verändert – und das Konformitätsbewertungsverfahren mit CE-Kennzeichnung ist erneut zu durchlaufen. Der Betreiber wird dabei rechtlich wie ein Hersteller behandelt. Die Frage lässt sich nicht am Ende eines Projekts klären, sondern gehört in die Konzeptphase.
EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230
Sie löst die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG ab und gilt ab dem 20. Januar 2027; Übergangsfristen für das Inverkehrbringen nach altem Recht darüber hinaus sind nicht vorgesehen. Die Verordnung definiert die wesentliche Veränderung erstmals ausdrücklich und bezieht Software mit Sicherheitsfunktion ausdrücklich mit ein – für Steuerungs-Retrofits an Bestandsanlagen ein Punkt, der terminlich eingeplant werden sollte. Betrifft der Umbau die Steuerung am Gerät selbst, führt der Weg über den SPS-Retrofit.
Dieser Abschnitt beschreibt den regulatorischen Rahmen und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Wie geht es von hier aus weiter?
Diese Seite erklärt, was ein Regalbediengerät ist, wie es aufgebaut ist und wovon seine Leistung abhängt. Steht die Frage im Raum, wie eine konkrete Bestandsanlage modernisiert wird – Steuerung, Antriebe, Positionierung, Sicherheitstechnik, schrittweise und im laufenden Betrieb –, beschreibt das die Leistungsseite Regalbediengeräte-Retrofit.
Geht es um die Steuerungsebene darunter, also um den Austausch oder die Migration der SPS am Gerät, führt der Weg zu SPS-Retrofit. Einen Überblick über alle Modernisierungsleistungen – von der Anlagenanalyse bis zur Inbetriebnahme – gibt die Seite Modernisierung und Retrofit. Wie sich das Regalbediengerät in das Gesamtbild aus Lager, Fördertechnik, Materialfluss und Produktionsversorgung einordnet, zeigt der Überblick Intralogistik.
Häufige Fragen zu Regalbediengeräten
Ein Regalbediengerät (RBG) ist ein schienengeführtes, einspuriges Fahrzeug, das in einer Regalgasse Ladeeinheiten ein- und auslagert. Es bewegt sich horizontal entlang der Gasse (x-Achse), hebt und senkt die Last am Mast (y-Achse) und schiebt sie über das Lastaufnahmemittel in das Regalfach (z-Achse). Es ist die zentrale Maschine im automatischen Hochregallager und im automatischen Kleinteilelager.
RBG steht für Regalbediengerät. Gebräuchlich sind außerdem die Begriffe Regalförderzeug – so bezeichnet es die VDI-Richtlinie 3561 – sowie im Englischen Stacker Crane oder Storage and Retrieval Machine (S/R Machine).
Beim Einzelspiel führt das Regalbediengerät entweder eine Ein- oder eine Auslagerung aus und fährt anschließend leer zurück. Beim Doppelspiel werden Ein- und Auslagerung zu einem Ablauf verbunden: Nach der Einlagerung fährt das Gerät direkt zum Auslagerfach und kehrt mit Last zum Übergabepunkt zurück. Das Doppelspiel spart die Leerfahrten und erhöht den Durchsatz deutlich.
Maßgeblich ist die Richtlinie FEM 9.851 „Leistungsnachweis für Regalbediengeräte – Spielzeiten“ (Ausgabe 2003). Sie definiert sechs Testfälle mit festgelegten Ein- und Auslagerpunkten, aus denen sich die mittlere Einzel- und Doppelspielzeit ergibt. Die Werte sind statistische Mittelwerte unter der Annahme, dass alle Regalfächer gleichmäßig angefahren werden.
Die DIN EN 528 „Regalbediengeräte – Sicherheitsanforderungen“ in der Fassung 2023-02 (Deutsche Fassung EN 528:2021+A1:2022). Sie ist eine harmonisierte Norm im Rahmen der EU-Maschinenrichtlinie und ersetzt die Ausgabe 2021-06.
Das hängt davon ab, ob der Umbau eine wesentliche Veränderung darstellt – also eine neue Gefährdung schafft oder ein bestehendes Risiko so erhöht, dass zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig werden. Ist das der Fall, muss das Konformitätsbewertungsverfahren erneut durchlaufen werden. Die EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, die ab dem 20. Januar 2027 gilt, definiert die wesentliche Veränderung erstmals ausdrücklich. Die Bewertung gehört in die Konzeptphase eines Retrofits.