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Was ist SAP EWM (Extended Warehouse Management)?
SAP EWM ist das Lagerverwaltungssystem von SAP. Die Abkürzung steht für Extended Warehouse Management. Das System verwaltet Bestände und Lagerplätze, plant und steuert alle Lagerprozesse vom Wareneingang über Einlagerung, Kommissionierung und Verpackung bis zum Warenausgang und kann über sein Modul MFS (Material Flow System) automatisierte Lagertechnik wie Regalbediengeräte und Fördertechnik direkt ansteuern. SAP EWM ist damit die Ebene zwischen dem ERP-System, das Aufträge und Bestände buchhalterisch führt, und der Technik im Lager, die Paletten und Behälter bewegt.
Das „Extended“ im Namen ist historisch zu verstehen. SAP EWM ist der Nachfolger des klassischen SAP Warehouse Management (SAP WM), das seit den 1990er-Jahren Teil von SAP R/3 war. EWM wurde 2005 erstmals ausgeliefert – als eigenständiges System für Läger, deren Anforderungen SAP WM nicht mehr abbildete: viele Lagerplätze, hohe Auftragszahlen, Wellenplanung, Ressourcensteuerung und die direkte Kopplung an Automatik. Seit SAP S/4HANA ist EWM das strategische Lagerverwaltungssystem von SAP; SAP WM ist dort nur noch im Kompatibilitätsumfang enthalten, dessen Nutzungsrechte für On-Premise-Systeme inzwischen ausgelaufen sind.
Für Betreiber automatisierter Läger ist eine Eigenschaft entscheidend: SAP EWM kann ein automatisches Lager selbst steuern, muss es aber nicht. Ob die Materialflusssteuerung in SAP EWM MFS liegt oder in einem externen Materialflussrechner unter SAP EWM, ist eine Architekturentscheidung – und die Frage, um die es bei fast jedem Bestandsprojekt geht. Diese Seite erklärt, was SAP EWM ist, wie es aufgebaut ist, wie es sich von SAP WM unterscheidet und welche Wege es gibt, ein automatisiertes Lager anzubinden.
Wofür steht SAP EWM, und wie ist es entstanden?
EWM steht für Extended Warehouse Management, auf Deutsch „erweiterte Lagerverwaltung“. Der Name grenzt das System vom Vorgänger ab: SAP WM (Warehouse Management) war ein Modul innerhalb von SAP R/3 und SAP ECC, das Lagerplätze und Bestände verwaltete und für manuelle Läger mit überschaubarer Komplexität ausreichte. Für Läger mit Automatik, hohen Durchsätzen und komplexen Kommissionierstrategien griffen Unternehmen auf Lagerverwaltungssysteme anderer Hersteller zurück, die an SAP angebunden wurden.
SAP EWM entstand als Antwort darauf. Es wurde als eigenständiges System innerhalb von SAP SCM (Supply Chain Management) entwickelt und lief zunächst getrennt vom ERP-System auf einem eigenen Server – als dezentrales EWM, das mit dem ERP über Schnittstellen Bestände und Belege abgleicht. Mit SAP S/4HANA änderte sich das: Seit Release 1610 ist EWM als Embedded EWM Bestandteil des S/4HANA-Kerns, läuft also in derselben Installation wie Finanzen, Materialwirtschaft und Vertrieb. Das dezentrale EWM gibt es weiterhin – seit S/4HANA 1809 ebenfalls auf S/4HANA-Basis.
Die Bezeichnungen laufen im Sprachgebrauch durcheinander. „SAP Warehouse Management“ meint je nach Kontext das alte Modul WM oder die Lagerverwaltung mit SAP allgemein; „SAP EWM“ und „SAP Extended Warehouse Management“ sind dasselbe; „S/4HANA EWM“ ist EWM auf der S/4HANA-Plattform, embedded oder dezentral. In Stellenanzeigen und Schulungen steht EWM meist für das Fachgebiet, in Projekten für das konkrete System. Was ein Lagerverwaltungssystem grundsätzlich leistet und wie sich LVS und WMS unterscheiden, erklärt die Seite Warehouse Management System.
Welche Aufgaben und Funktionen hat SAP EWM?
SAP EWM deckt den gesamten Weg einer Ware durch das Lager ab. Die Funktionen lassen sich entlang dieses Weges ordnen; die Tabelle nennt die wichtigsten und zeigt, was das jeweils im Betrieb bedeutet.
| Prozessschritt | Funktionen in SAP EWM | Was das im Lager bewirkt |
|---|---|---|
| Wareneingang | Avisierung, Entladung, Wareneingangsbuchung, Qualitätsprüfung, Dekonsolidierung | Ankommende Ware wird gegen die Anlieferung geprüft, bei Bedarf gesperrt und für die Einlagerung vorbereitet. |
| Einlagerung | Einlagerstrategien, Lagerplatzfindung, Slotting, Nachschub | Das System entscheidet, wohin eine Palette oder ein Behälter kommt – nach Größe, Umschlagshäufigkeit, Gefahrstoffklasse oder Lagerbereich. |
| Bestandsführung | Bestände je Lagerplatz und Handling Unit, Chargen, Seriennummern, Inventur (permanent, Stichtag, Nullkontrolle) | Jeder Bestand hat einen Ort, einen Ladungsträger und eine Historie. Inventuren laufen im Betrieb mit, nicht als Stillstand. |
| Auslagerung und Kommissionierung | Wellenmanagement, Auslagerstrategien, Kommissionierverfahren (Pick-by-RF, Pick-by-Voice, Pick-Cart, Batch-Picking), Ressourcenmanagement | Aufträge werden zu Wellen gebündelt, Wege optimiert und Mitarbeitern oder Geräten als Lageraufträge zugeteilt. |
| Verpackung und Warenausgang | Packen, Handling-Unit-Verwaltung, Versandeinheiten, Beladung, Warenausgangsbuchung | Aus kommissionierten Positionen entstehen Packstücke mit Kennzeichnung, die tourengerecht bereitgestellt werden. |
| Produktionsversorgung | Bereitstellung an Arbeitsplätzen, Kanban, Rückmeldung aus der Fertigung | Das Lager versorgt die Produktion und nimmt Fertigware zurück – die Schnittstelle zur Produktionslogistik. |
| Steuerung und Automatik | Materialflusssystem (MFS), Ressourcensteuerung, Yard Management | Regalbediengeräte, Fördertechnik, Stapler und Hof werden aus dem System heraus gesteuert oder angebunden. |
| Auswertung | Lagercockpit, Kennzahlen, Labor Management | Auslastung, Durchsatz und Leistung sind im laufenden Betrieb sichtbar. |
Nicht jede Installation nutzt alle Funktionen. Für Embedded EWM in S/4HANA unterscheidet SAP zwischen Basic EWM, das mit der S/4HANA-Lizenz abgedeckt ist, und Advanced EWM, das gesondert lizenziert wird. Zu den Advanced-Funktionen gehören unter anderem das Materialflusssystem MFS, Slotting, Labor Management, Yard Management, Cross-Docking und Value-Added Services – also genau die Funktionen, die ein automatisiertes oder großes Lager braucht. Wer ein Automatiklager über SAP EWM MFS steuern will, bewegt sich damit im Advanced-Umfang. Die Anbindung eines externen Materialflussrechners über IDocs gehört dagegen zum Basic-Umfang. Ein dezentrales EWM ist immer Advanced.
Wie ist SAP EWM aufgebaut?
SAP EWM bildet ein Lager als Hierarchie ab. Die Lagernummer ist die oberste Einheit und entspricht meist einem physischen Lagerstandort. Darunter liegen Lagertypen, die Bereiche mit gleicher Technik oder gleichem Zweck zusammenfassen: das Hochregallager, die Kommissionierzone, der Wareneingangsbereich, das Blocklager. Lagertypen gliedern sich in Lagerbereiche und Lagerplätze; der Lagerplatz ist die kleinste adressierbare Einheit, auf der ein Bestand liegt. Aktivitätsbereiche fassen Lagerplätze für die Wegeoptimierung zusammen, unabhängig von der Technik.
In automatisierten Lägern bewegt SAP EWM in der Regel nicht die Ware, sondern die Handling Unit (HU): eine Palette, ein Behälter oder ein Karton mit eindeutiger Nummer, der Bestände enthält und selbst wieder in einer anderen HU stecken kann. Jede Bewegung einer HU oder eines Bestands ist eine Lageraufgabe (Warehouse Task) mit Quelle und Ziel. Mehrere Lageraufgaben werden zu einem Lagerauftrag (Warehouse Order) gebündelt, der einer Ressource zugewiesen wird – einem Mitarbeiter mit RF-Gerät, einem Stapler oder einem Regalbediengerät. Welche Schritte ein Bestand auf seinem Weg durchläuft, legt die Lagerprozessart fest; sie steuert etwa, ob eine Einlagerung über eine Identifikationsstelle und einen Konturencheck läuft oder direkt ins Regal geht.
Diese Struktur ist der Grund, warum SAP EWM für komplexe Läger geeignet ist und SAP WM nicht: Lageraufgabe, Lagerauftrag, Ressource und Prozessart erlauben es, Arbeit zu planen, zu priorisieren und zu verteilen, statt nur Bestände zu buchen. Sie ist zugleich der Grund, warum eine EWM-Einführung Projektarbeit ist – die Struktur muss zum Lager passen, und ein gewachsenes Lager passt selten in eine Standardstruktur.
Beide Systeme verwalten Lagerplätze und Bestände, und beide kommen von SAP – die Ähnlichkeit endet dort. SAP WM ist ein Modul innerhalb des ERP-Systems, das Bestände auf Lagerplatzebene führt und Transportaufträge erzeugt. SAP EWM ist ein vollständiges Lagerverwaltungssystem mit eigener Prozesssteuerung, Ressourcenverwaltung und Automatikanbindung.
| Merkmal | SAP WM | SAP EWM |
|---|---|---|
| Architektur | Modul in SAP ECC (LE-WM); in S/4HANA nur im Kompatibilitätsumfang | Eigenständiges System, embedded in S/4HANA oder dezentral |
| Bewegungsobjekt | Transportauftrag | Lageraufgabe und Lagerauftrag, gebündelt in Wellen |
| Ladungsträger | Lagereinheit (Storage Unit), einstufig; Handling Units aus dem ERP werden im Lager als Lagereinheit geführt | Handling Unit, beliebig verschachtelt, durchgängig vom Wareneingang bis zum Versand |
| Ressourcen | Nur RF-Warteschlangen; echtes Ressourcenmanagement erst mit dem Zusatzmodul WM-TRM, das in S/4HANA entfällt | Integriertes Ressourcenmanagement mit Warteschlangen, Priorisierung und RF-Framework |
| Automatik | Anbindung über Schnittstelle zu einem externen Materialflussrechner | Integriertes Materialflusssystem MFS oder externer Materialflussrechner |
| Wellen, Slotting, Labor Management, Yard | Wellen, Yard, Cross-Docking und VAS als Zusatzkomponenten vorhanden, in S/4HANA und Stock Room Management entfallen; kein Slotting, kein Labor Management | Vorhanden (Advanced EWM) |
| Zukunft bei SAP | Auslaufend, Nachfolger ist SAP EWM; Nutzungsrechte On-Premise seit 31.05.2026 abgelaufen, unter RISE with SAP bis Ende 2030. Für einfache manuelle Läger bietet SAP Stock Room Management an (seit 1909, ohne Weiterentwicklung und ohne Automatikanbindung) | Strategisches Lagerverwaltungssystem |
Ob sich die Migration von SAP WM zu SAP EWM lohnt, ist inzwischen weniger eine Frage der Funktionen als des Kalenders. SAP WM ist in S/4HANA nur im Kompatibilitätsumfang enthalten; die Nutzungsrechte dafür sind für On-Premise-Installationen zum 31. Mai 2026 ausgelaufen, unter RISE with SAP in der Private Cloud gelten sie noch bis Ende 2030. Wer nach S/4HANA wechselt oder dort WM betreibt, muss für die Lagerverwaltung also entscheiden: SAP Stock Room Management für einfache, manuelle Läger – ein Bestandskundenangebot ohne Weiterentwicklung und ohne Automatikanbindung – oder SAP EWM für alles mit Automatik, Wellen oder hohen Durchsätzen. Für Betreiber automatisierter Läger ist die Frage damit meist keine des Ob, sondern des Wie – und vor allem, was mit der bestehenden Lagertechnik und dem bestehenden Materialflussrechner geschieht.
Was ist SAP EWM MFS, und wie steuert es automatisierte Lager?
MFS steht für Material Flow System, auf Deutsch Materialflusssystem. Es ist der Teil von SAP EWM, der direkt mit den Steuerungen der Lagertechnik kommuniziert – ohne einen zwischengeschalteten Materialflussrechner. SAP EWM MFS tauscht mit den speicherprogrammierbaren Steuerungen (SPS) der Fördertechnik und der Regalbediengeräte Telegramme aus: Fahraufträge nach unten, Quittierungen, Positionsmeldungen und Störungen nach oben. Die Kommunikation läuft in aktuellen Releases direkt über TCP/IP-Sockets: SAP EWM MFS baut als Client die Verbindung zur SPS auf, die als Socket-Server antwortet; technisch übernimmt das der ABAP Push Channel. SAP Plant Connectivity (PCo), das bis EWM 9.3 als Umsetzer zwischengeschaltet war, ist heute eine Alternative, kein Standard mehr.
Fachlich übernimmt MFS damit die Aufgaben, die sonst ein Materialflussrechner hat: Es kennt die Topologie der Anlage als Netz aus Förderelementen und Kommunikationspunkten, entscheidet an jeder Verzweigung über den Weg einer Palette, verwaltet die Belegung der Fördertechnik, steuert das Regalbediengerät in der Gasse und meldet Störungen an den Lagerverwaltungsmonitor. Der Vorteil: Lagerverwaltung und Materialflusssteuerung liegen in einem System, mit einer Datenbasis und einer Oberfläche. Der Preis: MFS erwartet, dass die Steuerungen der Anlage das Kommunikationsprotokoll von SAP EWM MFS beherrschen – Socket-Server, Sequenznummern, Quittungstelegramme – und die im Projekt definierten Telegrammstrukturen umsetzen.
Genau daran scheitern Bestandsprojekte. Eine Anlage, die seit fünfzehn Jahren mit einem eigenen Materialflussrechner und einer eigenen SPS-Logik läuft, spricht nicht die Sprache von SAP EWM MFS. Sie kann sie lernen – dann müssen SPS-Programme und MFS-Konfiguration aufeinander abgestimmt werden – oder sie behält ihre Sprache, und ein externer Materialflussrechner übersetzt. Beides ist möglich; welcher Weg der richtige ist, hängt von der Anlage ab. Der Abschnitt zu den Anbindungsmodellen weiter unten beschreibt die drei Varianten.
SAP EWM lässt sich auf zwei Arten betreiben, und die Wahl bestimmt Architektur, Betrieb und Ausfallverhalten des Lagers.
Embedded EWM läuft innerhalb von SAP S/4HANA – als Komponente derselben Installation, mit derselben Datenbank und ohne systemübergreifende Schnittstelle zum ERP. Belege, Bestände und Stammdaten sind unmittelbar konsistent, Doppelpflege entfällt, und der Betrieb ist einfacher, weil es nur ein System gibt. Der Nachteil ist die Kopplung: Wartungsfenster, Releasewechsel und Störungen des ERP-Systems treffen das Lager direkt. Ein Automatiklager, das im Dreischichtbetrieb läuft, kann sich das nicht immer leisten.
Dezentrales EWM läuft als eigenes System auf eigener Basis, heute ebenfalls auf S/4HANA-Technologie. Es tauscht mit dem ERP über Schnittstellen Lieferungen, Bestände und Buchungen aus und arbeitet bei einer ERP-Störung eine Zeit lang weiter. Dafür gibt es zwei Systeme zu betreiben, und der Bestandsabgleich zwischen ERP und EWM wird zum Thema. Das dezentrale EWM ist die übliche Wahl für große, automatisierte Läger mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen und für Unternehmen mit mehreren ERP-Systemen oder Standorten, die ein gemeinsames Lagersystem brauchen.
Unabhängig von der Betriebsart bleibt die Frage, wo die Materialflusssteuerung liegt: in SAP EWM MFS oder in einem Materialflussrechner unter EWM. SAP EWM mit MFS – embedded oder dezentral – ist die tiefste Integration der Lagertechnik in SAP; SAP EWM mit externem Materialflussrechner die lockerste. Welche Kombination trägt, ergibt sich aus der Systemarchitektur des gesamten Lagers – nicht aus dem Lizenzmodell.
Wie wird ein automatisiertes Lager an SAP EWM angebunden?
Ein automatisches Lager besteht aus mehreren Steuerungsebenen, und SAP EWM kann jede davon übernehmen oder einem anderen System überlassen. Um zu verstehen, was angebunden wird, hilft ein Blick auf die Komponenten, aus denen eine Lagersteuerung besteht:
- Materialstammdatenverwaltung – welche Materialien im Betrieb bekannt sind
- Bestandsverwaltung – welche Materialien in welcher Menge mit welchen Eigenschaften auf welchem Ladungsträger liegen
- Stellplatzverwaltung – welcher Ladungsträger auf welchem Platz steht
- Materialflusssteuerung – der Transport eines Ladungsträgers vom Quell- zum Zielplatz
- Regalbediengeräte-, Fördertechnik-, Hängebahn- und Transportrobotersteuerung – die Maschinen selbst
Die ersten drei sind Datenverwaltung und liegen weit weg von der Maschine; die letzten sind steuerungsnah. SAP EWM enthält die Stammdaten-, Bestands- und Stellplatzverwaltung immer, die Materialflusssteuerung als Option MFS. Daraus ergeben sich drei Anbindungsmodelle, zwischen denen je Anlage zu entscheiden ist:
| Modell | Was SAP EWM übernimmt | Was außerhalb bleibt | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Tiefe Anbindung | Plätze, Materialfluss und direkte Kommunikation mit den Fahrzeugen über MFS | Nur die SPS-Ebene | Einfache Paletten- und Behälterlager mit überschaubarer Fördertechnik |
| Mitteltiefe Anbindung | Plätze und Materialfluss über MFS | Fahrzeugauswahl und -steuerung durch eine Kopf-SPS, einen Flottenmanager oder einen unterlagerten Materialflussrechner | Schwärme von Transportrobotern, mehrere Regalbediengeräte auf einem Gleis, Gassen mit Gerätewechsel |
| Flache Anbindung | Bestände; optional die Plätze als Schattenkopie | Stellplatzverwaltung und Materialfluss in einem externen Materialflussrechner, der die Anlage steuert | Einschienen-Hängebahnen, Anlagen mit komplexer Steuerungslogik, Bestandsanlagen mit funktionierendem Materialflussrechner, Projekte ohne MFS-Lizenz |
Kein Modell ist das bessere; jedes passt zu einer Art von Anlage. Die tiefe Anbindung ist die sauberste, wenn die Anlage neu ist und ihre Steuerungen für SAP EWM MFS ausgelegt werden können. Die flache Anbindung ist die pragmatischste, wenn eine bewährte Anlage weiterlaufen soll und nur die Lagerverwaltung nach SAP wechselt. Die mitteltiefe Anbindung ist der Regelfall bei Anlagen, deren Fahrzeugsteuerung Spezialwissen erfordert, das nicht in SAP nachgebaut werden soll – etwa bei fahrerlosen Transportsystemen mit eigenem Flottenmanager. Wie A+K Bestandsanlagen konkret an SAP EWM MFS anbindet, beschreibt die Seite Lagerintegration in SAP EWM MFS.
Ein automatisiertes Lager arbeitet in Ebenen, und SAP EWM belegt je nach Anbindungsmodell eine oder mehrere davon. Ganz oben steht das ERP-System mit Kundenauftrag, Bestellung und Buchhaltung. Darunter liegt die Lagerverwaltung, die aus dem Auftrag eine Lieferung und aus der Lieferung Lageraufgaben macht – das ist SAP EWM. Darunter die Materialflusssteuerung, die aus der Lageraufgabe Fahraufträge für die Anlage macht – SAP EWM MFS oder ein externer Materialflussrechner. Darunter die SPS, die Motoren, Sensoren und Weichen schaltet. Ganz unten die Technik: Fördertechnik, Regalbediengeräte, Fahrzeuge.
Diese Schichtung ist mehr als eine Zeichnung. Sie legt fest, wer bei einer Störung was weiß: Das ERP kennt den Auftrag, aber nicht die Palette; EWM kennt die Palette, aber nicht die Position auf der Fördertechnik; die Materialflusssteuerung kennt die Position, aber nicht den Kundenauftrag. Je mehr Ebenen in einem System liegen, desto weniger Schnittstellen gibt es – und desto stärker hängt der Betrieb der Anlage an der Verfügbarkeit dieses einen Systems. Je mehr Ebenen getrennt sind, desto robuster läuft die Anlage bei Ausfällen weiter, und desto mehr Schnittstellen müssen gepflegt werden. Beides ist eine Abwägung, keine Frage von richtig oder falsch.
Zur Abgrenzung: Ein Manufacturing Execution System (MES) steuert die Fertigung, nicht das Lager; wo Produktion und Lager ineinandergreifen, versorgt SAP EWM die Arbeitsplätze und nimmt Fertigware zurück, während das MES die Aufträge auf den Maschinen führt. Ein Prozessleitsystem führt eine verfahrenstechnische Anlage und hat mit Lagerverwaltung nichts zu tun. SAP Transportation Management (TM) plant die Transporte außerhalb des Werks; an der Rampe übernimmt EWM: Frachtaufträge aus TM werden in EWM als Transporteinheiten geführt, über die Be- und Entladung und der Hof gesteuert werden.
Wie läuft eine SAP-EWM-Einführung im Bestand ab?
Die meisten SAP-EWM-Projekte in der Industrie sind keine Neubauten, sondern Umstellungen: Ein bestehendes Lager mit eigener Lagerverwaltung, eigenem Materialflussrechner und Steuerungen aus mehreren Generationen soll nach SAP EWM wechseln – meist im Zuge einer S/4HANA-Einführung, oft, weil Ersatzteile und Hersteller-Support für die alte Software knapp werden. Solche Brownfield-Projekte folgen einem Muster, das sich von Greenfield-Projekten grundlegend unterscheidet.
- Rückdokumentation. Gewachsene Anlagen haben selten eine aktuelle Beschreibung ihrer Abläufe. Der erste Schritt ist deshalb, aus SPS-Programmen, Materialflussrechner und Betriebserfahrung zu rekonstruieren, was die Anlage tatsächlich tut – einschließlich der Sonderfälle, die nur im Störungsfall sichtbar werden.
- Zielarchitektur. Aus der Bestandsaufnahme ergibt sich das Anbindungsmodell: Welche Ebenen wechseln nach SAP, welche bleiben? Was passiert mit dem Materialflussrechner? Welche SPS werden erneuert, welche bleiben und werden angepasst? Ein Retrofit der Steuerungstechnik ist häufig Teil des Projekts, weil alte SPS-Generationen die nötigen Schnittstellen nicht bieten.
- Emulation und Test. Bevor die reale Anlage angefasst wird, läuft SAP EWM MFS gegen eine Emulation der Anlage: eine Software, die sich an den Schnittstellen verhält wie Fördertechnik und Regalbediengeräte. So werden Telegramme, Prozessarten und Störfälle getestet, ohne den Betrieb zu unterbrechen.
- Stufenweise Migration. Umgestellt wird in Abschnitten – Gasse für Gasse, Bereich für Bereich – mit Rückfallmöglichkeit auf das alte System. Die Alternative, ein Stichtag mit Komplettumstellung, kommt nur infrage, wenn eine Betriebspause ohnehin geplant ist.
- Betrieb und Nachjustierung. Nach dem Go-live zeigt sich, welche Prozesse in der Emulation nicht sichtbar waren. Die ersten Wochen dienen dem Feinschliff von Strategien, Prioritäten und Störungsbehandlung.
Der kritische Punkt in jedem dieser Schritte ist die Grenze zwischen SAP und Anlage. Wer sie zu tief in die Anlage legt, baut SPS-Logik in SAP nach; wer sie zu hoch legt, verschenkt die Integration. Die richtige Stelle ist die, an der beide Seiten ihre Stärken behalten.
Das Produktionslager von K+S in Bernburg ist das zentrale Fertigwarenlager des Standorts: Es nimmt die Produkte des Siedesalzwerks und die abgesackte Ware des Steinsalzwerks auf und stellt sie für den Versand per Lkw bereit. Die Lager- und Materialflusssteuerung bestand aus einem über viele Jahre gewachsenen Verbund: ein Lagerverwaltungssystem auf IBM RS6000, Siemens-S5-Steuerungen, Regalbediengeräte, Palettenfördertechnik und Querverfahrwagen mit individuell entwickelten Materialflussprozessen. Ersatzteile und Herstellersupport wurden knapp; zugleich sollte das Lager als weltweit erstes bestehendes Produktionslager direkt auf SAP EWM MFS migriert werden.
Artschwager + Kohl entwickelte das Modernisierungs- und Migrationskonzept: vollständige Rückdokumentation der gewachsenen Abläufe, Ablösung der S5- durch S7-Steuerungen, Anbindung von Regalbediengeräten, Fördertechnik und Querverfahrwagen an SAP EWM MFS, ein neues SCADA-System zur Überwachung aller Lager- und Materialflussprozesse. Simulations- und Integrationstests im Vorfeld und ein schrittweises Brownfield-Migrationskonzept hielten die Stillstandszeiten während der Umstellung minimal; sämtliche Materialflussprozesse blieben erhalten. Die vollständige Beschreibung steht in der Case Study Weltweit erstes Produktionslager erfolgreich auf SAP EWM MFS modernisiert.
Wie ein SAP-EWM-MFS-Projekt aussieht, wenn die Anlage noch gar nicht steht, zeigt die NExT Factory von Schaltbau, eine der weltweit ersten industriellen Gleichstromfabriken: Dort wurde das Lagersystem (Servus ARC3) vollständig emuliert, sodass Materialflussprozesse und Schnittstellen zu SAP EWM MFS bereits während der Aufbauphase der Fabrik getestet werden konnten, und ein Shopfloor-Koppler band Waagen, Zählwagen und Palettieranlagen direkt an SAP EWM MFS an. Nachzulesen in der Case Study SAP EWM MFS Integration für eine der weltweit ersten Gleichstromfabriken.
Wie geht es von hier aus weiter?
Diese Seite erklärt, was SAP EWM ist, wie es aufgebaut ist, worin es sich von SAP WM unterscheidet und wie sich ein automatisiertes Lager auf drei Wegen anbinden lässt. Wer vor einer konkreten Entscheidung steht, braucht als Nächstes ein Bild der eigenen Systemarchitektur – welche Ebenen es gibt, wer sie heute steuert und welche davon nach SAP wechseln sollen. Grundlagen zu den Bausteinen finden sich auf den Seiten Materialfluss, Regalbediengerät und Fördertechnik; wie Artschwager + Kohl bestehende Anlagen an SAP EWM MFS anbindet oder mit einem Materialflussrechner unter SAP EWM betreibt, steht auf der Seite Lagerintegration in SAP EWM MFS.
Häufige Fragen zu SAP EWM
SAP EWM ist das Lagerverwaltungssystem von SAP. Es weiß, welche Ware auf welchem Platz und welchem Ladungsträger liegt, steuert Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung und Versand und kann über sein Modul MFS auch automatische Lagertechnik direkt ansteuern. Es sitzt zwischen dem ERP-System, das die Aufträge kennt, und der Technik im Lager, die die Paletten bewegt.
EWM steht für Extended Warehouse Management, auf Deutsch „erweiterte Lagerverwaltung“. Der Name grenzt das System vom Vorgänger SAP WM (Warehouse Management) ab, einem Modul in SAP R/3 und ECC, das für manuelle Läger mit überschaubarer Komplexität ausgelegt war und in S/4HANA nur noch im Kompatibilitätsumfang enthalten ist.
SAP WM ist ein Modul im ERP-System, das Bestände auf Lagerplatzebene führt und Transportaufträge erzeugt. SAP EWM ist ein vollständiges Lagerverwaltungssystem mit Lageraufgaben und Lageraufträgen, Wellenmanagement, Ressourcensteuerung, Handling Units und integrierter Automatikanbindung. In S/4HANA ist WM nur noch übergangsweise verfügbar; EWM ist das strategische System.
MFS ist das Material Flow System von SAP EWM: der Teil, der direkt mit den Steuerungen von Fördertechnik und Regalbediengeräten Telegramme austauscht und damit die Aufgaben eines Materialflussrechners übernimmt. Es gehört zum Advanced-Umfang von EWM und setzt voraus, dass die Anlage die von SAP vorgesehenen Telegramme und Abläufe unterstützt.
Ja. Bei der „flachen“ Anbindung führt SAP EWM die Bestände und optional die Plätze, während ein externer Materialflussrechner die Anlage steuert wie bisher. Das ist der übliche Weg, wenn eine bewährte Anlage weiterlaufen soll und nur die Lagerverwaltung nach SAP wechselt oder wenn das Modul MFS nicht eingesetzt werden soll.
Für Betreiber automatisierter oder großer Läger ist sie meist keine Frage des Ob: SAP WM ist in S/4HANA nur im Kompatibilitätsumfang enthalten, dessen Nutzungsrechte für On-Premise-Systeme 2026 ausgelaufen sind (unter RISE with SAP bis Ende 2030). Die Entscheidung liegt beim Wie – embedded oder dezentral, mit MFS oder mit einem Materialflussrechner unter EWM, und was aus der bestehenden Steuerungstechnik wird. Für einfache manuelle Läger bietet SAP alternativ Stock Room Management an.
Weitere Fragen zu SAP EWM
Was ist der Unterschied zwischen Basic EWM und Advanced EWM?
In SAP S/4HANA ist Basic EWM mit der S/4HANA-Lizenz abgedeckt und umfasst die Kernprozesse eines Lagers: Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Verpackung, Warenausgang, Inventur und Nachschub. Advanced EWM wird gesondert lizenziert und ergänzt unter anderem das Materialflusssystem MFS, Slotting, Labor Management, Yard Management, Cross-Docking und Value-Added Services. Wer ein automatisiertes Lager über SAP EWM MFS steuern will, braucht den Advanced-Umfang; die Anbindung eines externen Materialflussrechners über IDocs ist dagegen Basic. Die Unterscheidung gilt nur für Embedded EWM – ein dezentrales EWM ist immer Advanced.
Was ist SAP Stock Room Management?
SAP Stock Room Management ist die Lagerverwaltung für einfache, manuelle Läger in SAP S/4HANA, verfügbar seit Release 1909. Sie basiert auf dem Code des klassischen SAP WM, wird von SAP nicht weiterentwickelt und richtet sich an Bestandskunden, für die SAP EWM überdimensioniert wäre. Automatikanbindung, Wellenmanagement und Ressourcensteuerung gehören nicht dazu – für automatisierte Läger bleibt SAP EWM die vorgesehene Lösung.
Was ist SAP TRM, und warum spielt es bei EWM-Projekten eine Rolle?
SAP TRM (Task and Resource Management) war eine Erweiterung von SAP WM, die Lageraufgaben auf Ressourcen wie Stapler oder Regalbediengeräte verteilte und damit Funktionen abdeckte, die SAP WM selbst nicht hatte. In SAP S/4HANA ist TRM nicht mehr verfügbar. Betriebe, die TRM einsetzen, müssen die Ressourcen- und Materialflusssteuerung beim Wechsel neu aufsetzen – in SAP EWM MFS oder in einem Materialflussrechner unter SAP EWM.